
Die Saga von Eva Ohnestrumpf | Teil II
Vorwort
Mein lieber Leser, bevor wir uns kopfüber in neue Abenteuer stürzen, sollte ich dir wohl ins Gedächtnis rufen, was auf unserer letzten Reise zu den Wolkeninseln geschah. Denn die eigenen Erinnerungen sind unstet wie der Wind, flüchtig wie der Sommer und trügerisch wie der Nebel, der im Dämmerlicht allerlei Gestalten heraufbeschwört. Aber bevor du nun nervös in deinen Büchern kramst, sei beruhigt: Ich bin ja da. Als dein Begleiter auf diesem neuerlichen Abenteuer kannst du auf mich zählen, auch wenn ich mir für dieses Mal vorgenommen habe, mich wie es sich für einen allwissenden Erzähler gebührt, dezent im Hintergrund zu halten. Also lehne dich gern zurück, nimm einen Schluck Tee und lausche mir ein letztes Mal, bevor das erste Kapitel losgeht.
Es begann alles mit einem Mädchen namens Eva Mathilda Ohnestrumpf, die nichts mehr auf der Welt wollte, als auf besonders waghalsige Art Luftschiffe zu fliegen und dabei nur einen ihrer beiden Strümpfe zu tragen – zwei Wünsche, die ein erfahrener Aeronaut als „leichtsinnig“, die Hafenwache als „höchstgradig illegal“, und jeder Nimbusheimer Hausarzt als „sehenden Auges in die Erkältung rennen“ bezeichnen würde.
Auf dem mit allerlei Gerümpel ausgestatteten Dachboden ihres Ziehvaters Kapitän Graubart fand sie eine alte Karte, auf deren Rückseite ein seltsames Muster prangte – das gleiche Muster, das, ich betone, völlig ohne mein Zutun (bevor du mich der narrativen Manipulation verdächtigst!), auf ihren Strümpfen zu finden war. Sollte dir das trotzdem seltsam vorkommen, so sei getröstet: Eva fand es mindestens genauso merkwürdig, und sie war diejenige, die drinsteckte.
Gemeinsam mit ihrer Freundin Nora und dem wortkargen – nun ja, zumindest damals noch wortkargen – Navigator Finn stürzte sie sich in eine Odyssee mit ungewissem Ausgang. Sie entkamen Piraten, trotzten Stürmen, entwirrten uralte Rätsel und machten dabei die unangenehme Entdeckung, dass so mancher nicht das ist, was er zu sein vorgibt. Denn auch die Piratin Schwarze Mara und der mysteriöse Leander wollten die Karte. Am Ende lockte das alles zu einem Geheimnis, das älter und größer war, als sie sich hätten träumen lassen: das Herz des Himmels, ein schwebender magnetischer Kern, dessen unsichtbare Kraft die Wolkeninseln oben hielt.
Es kam, wie es kommen musste: Das Herz war instabil, Leander größenwahnsinnig, die Piraten wütend und Evas geliebtes Luftschiff Rex Ventorum … nun, sagen wir so: Möge jeder ehrliche Luftkapitän eine Schweigeminute für sie erübrigen. Ihr Opfer, eine Explosion, die den Himmel selbst erzittern ließ, stabilisierte das Herz erneut. Und als alles verloren schien, erkannte Eva, dass sie die Energie der Sturmzonen noch in sich trug. Mit einem letzten, verzweifelten Einfall rettete sie nicht nur ihre Freunde, sondern auch die Wolkeninseln.
Seitdem ist viel geschehen.
Eva steht nun als Erbin des alten Pilotenordens Conclave Aeris Fidelium (der geneigte Leser erinnert sich vielleicht an das Kürzel C.A.F.) an der Schwelle einer neuen Ära. Nora bastelt an einem Antrieb, der die Luftfahrt revolutionieren soll. Finn ist ein höchst gefragter Navigator für Sturmzonen – und redet inzwischen sogar, wenn man ihn nicht darum bittet. Und die Wolkeninseln? Sie schweben wieder friedlich in den Lüften – nicht wissend, wem sie ihre Sicherheit verdanken.
Du hingegen weißt es. Und nun, mein treuer Leser, wird es Zeit, weiterzugehen. Denn während alle glauben, die größten Turbulenzen haben sich gelegt, hat der Wind längst wieder begonnen zu flüstern.
























